Eine junge Frau verkaufte im Regen Kuchen und hatte keinen Ausweg, und ein Geschäftsmann glaubte, in seinen Augen die Verlobte zu erkennen, die er vor 22 Jahren verloren hatte

TEIL 1

Lilia Robles war fast drei Stunden im Regen gewesen, als sie verstand, dass sie, wenn sie die letzten Beerenkuchen nicht verkaufte, in jener Nacht das Zimmer nicht bezahlen konnte, in dem sie schlief.

Er suchte Zuflucht unter dem zerbrochenen Vordach eines geschlossenen Geländes im Zentrum von Guadalajara. Er hatte Hunger, sein Fell war durchnässt und 22 Jahre alt, aber er hob den Korb jedes Mal, wenn sich jemand näherte.

“Selbstgemachte Kuchen.” Ich habe nur noch wenige übrig.

Die meisten drehten sich nicht einmal um.

Ein Mann im Anzug ging vorbei und telefonierte. Ein paar trat zur Seite, um nicht zu nah zu kommen. Lilia presste die Lippen zusammen und deckte die Kuchen erneut mit einem sauberen Tuch ab.

Er bat nicht um Almosen.

Ihre Mutter hatte ihr beigebracht, dass Geldmangel schrecklich ist, aber sich daran zu gewöhnen, sich auf Mitleid zu verlassen, kann schlimmer sein.

Auf der anderen Seite der Allee hielt eine schwarze Limousine an der Ampel.

Im Inneren befand sich Alejandro Montenegro, Besitzer einer Hotelkette, privaten Krankenhäuser und Einkaufszentren. Sein Fahrer erinnerte ihn daran, dass sie zu einem Treffen zu spät waren, aber Alejandro antwortete nicht.

Er sah zu Lilia.

Ich wusste nicht warum.

Irgendetwas an ihrem Lächeln nach jeder Ablehnung war schmerzhaft vertraut.

“Fahr rechts ran.”

Alejandro ging hinunter, ohne auf einen Regenschirm zu warten.

“Wie viel kostet einer?”

“50 Pesos.”

Lilia hob das Tuch an. Die Kuchen waren etwas ungleichmäßig, in einem kleinen Ofen gebacken und in einfaches Papier gewickelt.

Alejandro wählte einen aus.

“Machst du sie?”

“Ja. Obwohl du wohl an edlere Desserts gewöhnt bist.

Er schenkte ihm ein kurzes Lächeln.

“Wie heißt du?”

—Lilia Robles.

Alejandro hörte auf zu lächeln.

Robles.

Es waren mehr als 20 Jahre vergangen, seit ihr dieser Nachname auf diese Weise die Brust getroffen hatte.

Er hat den Kuchen probiert.

Dann erstarrte er.

Der Teig mit Butter. Rote Früchte. Die Orangenschale. Der Zimt wird nach dem Abkühlen der Füllung hinzugefügt.

Es war Elisa Robles’ Rezept.

Die Frau, die er zu heiraten geplant hatte.

Die Frau, die vor 22 Jahren verschwunden ist.

“Wer hat dir beigebracht, wie man das macht?”

Lilia runzelte die Stirn.

“Meine Mutter.

“Wie hieß er?”

—Elisa.

Alejandro hob die Augen.

In diesem Moment sah er auch das kleine, halbmondförmige Mal unter Lilias linkem Ohr.

Elisa hatte genau dasselbe.

“Kanntest du meine Mutter?”