Die Frage war einfach, aber tiefgründig: Was war mit dieser Tür passiert?
Bischof Hochstetler, nun in seinen Siebzigern, traf eine Entscheidung. “Wir müssen suchen”, sagte er. “Wenn es etwas zu finden gibt, haben wir die Pflicht, es zu finden. Der Familie Miller, wo immer sie sind, schulden wir es.”
Am nächsten Morgen, dem 14. Mai 2012, fast genau zwanzig Jahre nach dem Verschwinden der Familie, gingen Isaac Yoder, Bischof Hochstetler, Samuel Yoder und zwei weitere Männer zur Miller-Farm. Sie brachten das Foto und die Maßbänder mit.
Sie haben die Ostwand gefunden. Von außen wirkte es solide, intakt und gleichmäßig abgenutzt. Aber durch Messung aus der Ecke der Scheune und den Vergleich mit dem Foto identifizierten sie den genauen Ort, an dem die Tür auf dem Foto sein sollte.
Bei näherer Betrachtung fanden sie es: dünne Linien im Holz, so abgenutzt und verdeckt, dass sie fast unsichtbar waren. Nagelköpfe, die nicht ganz zum Rest der Struktur passten. Die Umrisse eines Türrahmens, versiegelt und getarnt.
Jemand hatte diese Tür absichtlich versteckt.
Mit Erlaubnis der Kirchenältesten und nach Benachrichtigung der Behörden brachen sie vorsichtig den versiegelten Eingang auf. Die Nägel quietschten, als sie vom Holz fielen, das seit zwei Jahrzehnten nicht berührt worden war. Die Bretter leisteten Widerstand, verformt durch jahrelange Verwitterung und den Lauf der Zeit.
Als sich die Tür schließlich öffnete, strömte eine abgestandene Luft hervor, die den Geruch von jahrzehntelanger Staub und etwas anderem mit sich brachte: Angst. Der versteckte Raum.
Der Raum hinter der versiegelten Tür war klein, vielleicht acht mal drei Fuß, eingegraben in das, was eigentlich die hintere Ecke des Erdgeschosses der Scheune hätte sein sollen. Sonnenlicht strömte durch die offene Tür und erhellte das, was zwanzig Jahre lang Dunkelheit gewesen war.
Der Raum war leer, aber voller Hinweise darauf, dass dort Menschen gewesen waren.
An einer Wand standen drei Paletten aus Stroh und alten Decken, die nun verfault und von Motten zerfressen waren. Ein hölzernes Spielzeugpferd lag auf der Seite, mit Staub bedeckt. Eine Öllampe stand auf einem groben Holzregal, ihr Glasschirm war vom Gebrauch geschwärzt. Ein Eimer mit Wasser, völlig trocken, stand in einer Ecke. Und am auffälligsten war, dass mehrere Quilts auf den Paletten ausgebreitet waren; Bettdecken, die mehrere Frauen sofort als das Werk von Ruth Miller erkannten.