Teil 2: Den Atem anhalten.
“Ich weiß, dass ich nicht mehr viel Zeit habe”, fuhr er fort. “Aber es gibt etwas, wovon ich immer geträumt habe.”
Er sah mir direkt in die Augen.
“Willst du mich heiraten?”
Für ein paar Sekunden verschwand der Raum.
Sechsundfünfzig Jahre voller Fragen, Reue und eingebildeter Möglichkeiten schienen sich unter uns zu häufen.
Ein Teil von mir hörte Raymonds Stimme, die mich warnte, dass ich albern war.
Aber eine andere Stimme – die Stimme des siebzehnjährigen Mädchens, zu dem ich gegangen bin – sagte mir, ich solle nicht wieder gehen.
Thomas hatte fortgeschrittenen Krebs.
Ich wusste, dass er sterben würde.
Das war sein letzter Wunsch.
“Ja”, flüsterte ich.
Tränen füllten seine Augen.
“Ja, Thomas. Ich werde dich heiraten.”
Er schüttelte mir die Hand.
“Du wirst es nicht bereuen, Nancy. Ich verspreche es.”
Es war etwas Ungewöhnliches an der Art, wie er diese Worte aussprach.
Sie klangen weniger wie tröstende Worte und mehr wie ein sorgfältig geplantes Versprechen.
Damals dachte ich, er spricht nur von unserer Hochzeit.
Ich verstand immer noch nicht, dass er sich auf etwas viel Größeres bezog.
Die Hochzeit fand drei Tage später im Krankenzimmer statt.
Eine der Krankenschwestern begleitete uns als Zeuge.
Ein ruhiger Mann, gekleidet in einen grauen Anzug, stellte sich als Walter, Thomas’ Anwalt, vor.
Es kam mir seltsam vor, dass ein Anwalt an einer so intimen Zeremonie teilnimmt.
Aber Thomas nahm meine Hand und ich schob diesen Gedanken beiseite.
Seine Augen leuchteten auf, als er seine Gelübde ablegte.
Meiner auch.
Nach der Zeremonie öffnete Walter eine Lederaktentasche und stellte sie auf den Nachttisch neben Thomas.
“Es gibt einige Dokumente, die Ihre Unterschrift benötigen”, erklärte er. “Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.”
Es dauerte nicht lange.
Ich habe Thomas vollkommen vertraut.
Jedes Mal, wenn Walter auf eine Zeile zeigte, unterschrieb ich.
In jener Nacht erzählte ich Raymond, was passiert war.
Seine Reaktion war sofort. “Bist du verrückt geworden?” rief er am Telefon. “Hast du einen sterbenden Mann geheiratet, den du kaum kennst?”
“Conozco a Thomas desde antes que a ti.”
“Te están manipulando”, soltó Raymond. “Un desconocido ve a una enfermera jubilada y anciana y la convence para que se case con él. Tienes que anular el matrimonio inmediatamente.”
“No.”
“Nancy, no entiendes lo que hiciste.”
“Lo entiendo perfectamente.”