Das Foto rutschte unter ein loses Paneel in Richards Werkzeugkasten und landete mit der Vorderseite nach oben auf dem Garagenboden.
Zuerst fiel mir nur die verblassten, gelblichen Ränder auf.
Dann sah ich die Frau.
Es war jünger als das Gesicht, das auf Richards Brust tätowiert war, aber die Augen passten überein.
Dasselbe galt für die kleine Rose hinter ihrem linken Ohr.
Sie hielt ein Frühgeborenes in den Armen auf der Neugeborenenstation.
Seine Augen waren nicht auf die Kamera gerichtet. Sie sah das Baby mit völliger Zärtlichkeit an.
Auf der Rückseite hatte Richard sechs Worte geschrieben.
“Verleib mir, Rose. Sie darf es nicht wissen.”
Zwanzig Jahre zuvor, während unserer Hochzeitsreise, kam Richard mit einem Handtuch um die Taille aus dem Hotelbadezimmer.
Es war das erste Mal, dass ich ihn lange genug oben ohne sah, um das Tattoo zu bemerken.
Eine schöne junge Frau blickte von ihrer Brust auf.
Eine dunkle Mähne fiel über eine Schulter.
Hinter seinem Ohr trug er eine Rose, die nicht größer als ein Daumennagel war.
“Wer ist sie?” fragte ich.
Richard blickte nach unten, als hätte er vergessen, dass er das Tattoo hatte.
“Niemand.”
“Niemand lässt sich über dein Herz tätowieren, Richie.”
Er lachte und umarmte mich. “Es ist niemand, den du kennst. Ich habe es vor Jahren gemacht.”
Ich habe ihm vollkommen vertraut.
Ich klammerte mich an diese Erklärung für fünf fehlgeschlagene Fruchtbarkeitsbehandlungen. Ich klammerte mich wieder daran, als der Arzt uns freundlich riet, es nicht mehr zu versuchen.
Aber ich glaubte ihm am Morgen, als wir ein frühgeborenes Mädchen mit dunklen Augen, einem heftigen Schrei und einer cremefarbenen Decke um ihre winzigen Beine nach Hause brachten.
Ich habe den Werkzeugkasten noch einmal überprüft.
Unter einem Tablett voller Schrauben entdeckte ich ein schwarzes Tagebuch mit rissigem Buchrücken.
Fast alle Nummern waren durchgestrichen, aber ein Name blieb erhalten.
Rosa.
Mein Daumen schwebte über der Zahl.
Also habe ich von unserer Festnetznummer angerufen.
Das Telefon klingelte fünfmal.
“Hallo?” Eine Frau antwortete.
Seine Stimme klang älter und zurückhaltend.
Stille breitete sich zwischen uns aus.
“Richard?” flüsterte er, offenbar erkannte er die Nummer. Bist du es wirklich?
Ich zog den verhedderten Kunststoffdraht des Gehäuses noch fester zu.
Am anderen Ende hörte ich, wie eine Tasse auf eine harte Oberfläche prallte.