An diesem Abend versuchte ich, mich mit dem Fernseher abzulenken, indem ich durch Weihnachtsfilme mit wiedervereinten Familien, überraschten Eltern durch ihre Kinder und warmen Umarmungen an knisternden Kaminen vorbeigingen. Ich wollte es ausschalten, aber ich konnte nicht. Es war, als würde sich der Bildschirm über mich lustig machen und mir alles zeigen, was ich verpasste. Ich flüsterte mir selbst zu: “Du bist dieses Jahr nicht Teil der Geschichte von irgendjemandem.” Das tat mehr weh als alles andere.
Am nächsten Tag rief Mark erneut an. “Mama, ich wollte nur wissen, wie es dir geht. Geht es dir gut?” Seine Stimme war sanft, aber hastig, als würde ich zwischen zwei Aufgaben eilen.
Ich lächelte und sagte: “Mir geht’s gut, Liebling. Ich habe den Baum schon aufgehängt und ein gutes Buch zum Lesen.” Er wirkte erleichtert. “Das ist großartig, Mama. Wir kommen nach den Feiertagen vorbei, versprochen.” Dann hörte ich Hannahs Stimme im Hintergrund, die ihr sagte, sie solle sich beeilen, und so war das Gespräch beendet.
Ich stand da, das Handy in der Hand, lange nachdem die Leitung verstummt war. Mein Herz fühlte sich gleichzeitig voll und leer an. Voller Liebe für meinen Sohn, aber leer, weil es schien, als wüsste er nicht mehr, wie er mich erwidern sollte. Nicht wie früher.
Noch in derselben Nacht ging ich nach oben, um eine Kiste mit Ornamenten wegzuräumen, die ich nicht auspacken wollte. Im obersten Regal fand ich einen alten Koffer, der mit Staub bedeckt war. Es war der, den Paul und ich auf unserer ersten und einzigen Europareise benutzt haben. Wir hatten jahrelang für diese Urlaube gespart: Paris, Rom, Wien. Ich fuhr mit der Hand über den abgenutzten Griff und lächelte leicht, erinnerte mich an das Lachen, die kleinen Momente, daran, wie Paul mich immer an die Hand nahm und sagte: “Siehst du, Linda? Die Welt ist nicht so groß, wie wir denken. Du musst nur mutig genug sein, um hineinzugehen.”
Diese Erinnerung blieb mir die ganze Nacht im Gedächtnis. Ich konnte nicht aufhören, daran zu denken. Ich ging mit einer Idee im Kopf ins Bett, eine, die sowohl furchteinflößend als auch aufregend war. Am nächsten Morgen habe ich mir eine Kaffeemaschine gemacht und mich vor meinen Laptop gesetzt. Ich habe im Internet nach “Weihnachtsausflügen für Senioren” gesucht, nur um zu sehen, was herauskommt. Dutzende Fotos tauchten auf: helle Lichter, Weihnachtsmärkte, lächelnde Reisende, eingehüllt in Schals. Eine Reise hat besonders meine Aufmerksamkeit erregt: eine Weihnachtstour durch Europa: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er war in drei Tagen draußen. Mein Herz pochte. Es war verrückt, etwas völlig Unerwartetes. Aber etwas in mir flüsterte: “Mach es.” Zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich lebendig. Ich füllte das Formular aus, gab meine Kartendaten ein und klickte auf “jetzt buchen”. Meine Hände zitterten dabei, aber ich konnte nicht aufhören zu lächeln. Ich habe nicht darauf gewartet, dass mir jemand die Erlaubnis gibt, glücklich zu sein. Endlich habe ich es mir selbst gegeben.Die folgenden Tage waren eine verwirrende Mischung aus Aufregung und Nervosität. Ich nahm den Koffer aus dem Schrank und begann zu packen: Schals, Pullover, Pauls altes Reisetagebuch und die kleine Goldmedaille, die er mir zu unserem zwanzigsten Hochzeitstag geschenkt hatte. Ich habe niemandem von meinen Plänen erzählt, nicht einmal Mark. Es geschah nicht aus Trotz; Es war für die Freiheit. Zum ersten Mal wollte ich etwas tun, das ganz mir gehört.